"Karneval, Fasching, Fastnacht in Ostdeutschland" in die Sächsische Landesliste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen

Würdigung für eine lebendige und identitätsstiftende Kulturform, die das gesellschaftliche Leben in Sachsen und den ostdeutschen Bundesländern prägt

Der Freistaat Sachsen hat "Karneval, Fasching, Fastnacht in Ostdeutschland" in die Sächsische Landesliste des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Die Bewerbung "Karneval, Fasching, Fastnacht in Ostdeutschland" wurde durch die Landesverbände Ost im Bund Deutscher Karneval e.V. (Mecklenburg-Vorpommern, Berlin-Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen) gemeinsam erarbeitet und von Thüringen für das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes nominiert.

 

jährlicher Empfang der sächsischen Karnevals- und Faschingsvereine in der Staatskanzlei, © Huxol, VSC

 

Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch erklärt dazu: "Der ostdeutsche Karneval ist weit mehr als Brauchtum. Er ist Ausdruck von Gemeinschaft und Kreativität. Über Generationen hinweg haben engagierte Ehrenamtliche diese besondere Kulturform bewahrt und weiterentwickelt. Gerade in Sachsen zeigt sich, wie Humor, gesellschaftlicher Zusammenhalt und kulturelle Identität miteinander verbunden sind. Die Aufnahme in die Landesliste des Immateriellen Kulturerbes würdigt dieses außergewöhnliche Engagement."

Die Tradition des ostdeutschen Karnevals reicht bis ins Mittelalter zurück und ist eng mit der christlichen Fastenzeit verbunden. Bereits 1391 ist mit dem "Unweisen Rat" in Königsee eine frühe Form närrischer Kultur dokumentiert. Über die Jahrhunderte entwickelte sich daraus eine vielfältige Festkultur mit Masken, Musik, Umzügen und der symbolischen Umkehr gesellschaftlicher Ordnung.

 

Unterzeichnung der Gründungsurkunde für den VSC am 04. März 1990 in Meißen, erster Präsident war Lothar Franze, © VSC-Archiv

 

Heute engagieren sich rund 95.000 Mitglieder in etwa 930 Vereinen in Brandenburg, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die karnevalistische Praxis reicht von Büttenreden, Tanz und Musik über Straßenumzüge und Rathausstürme bis hin zu professionell organisiertem Tanzsport. Kinder- und Jugendarbeit, Inklusion sowie die zunehmende Übernahme von Führungsaufgaben durch Frauen prägen das moderne Vereinsleben.

Jörg Weiser, Präsident des Verbandes Sächsischer Carneval e.V. sagt: "Mit der Aufnahme des ostdeutschen Karnevals in die Landesliste Sachsen zum Immateriellen Kulturerbe haben wir einen bedeutenden Schritt gemacht. Nach Thüringen und Brandenburg sind wir sächsischen Karnevalisten der dritte Verband, der es bereits auf die Landeslisten geschafft hat. Die Aufnahme des ostdeutschen Karnevals in das bundesweite Verzeichnis würde Vielfalt sichtbarer machen und das Engagement tausender Ehrenamtler würdigen, die die Bräuche als identitätsstiftendes und zukunftsoffenes Kulturerbe erhalten. Der Grundsatz »unter einer Kappe sind wir alle gleich« prägt das Zusammenleben in den Vereinen. Soziale und finanzielle Unterschiede sowie Herkunft und Beruf spielen keine Rolle. Die intensive, auf breiter Basis getragene Vorbereitungsarbeit über einen Zeitraum seit dem Jahr 2023 hat sich damit schon gelohnt. Endlich heißt es auch von offizieller Seite: Karneval in Sachsen ist KULTUR!"

 

Weltrekord in Dresden, 1136 Tänzerinnen und Tänzer aus 85 Vereinen bilden vor der Semperoper die größte "Garde outdoor", © Huxol, VSC

 

Der ostdeutsche Karneval entwickelt sich kontinuierlich weiter. Vereine reagieren auf gesellschaftliche Veränderungen mit digitalen Formaten, nachhaltigen Konzepten und verstärkter überregionaler Zusammenarbeit. Nachwuchswettbewerbe, Kooperationen mit Schulen, Museen und Kulturämtern sowie regelmäßige Austausche der ostdeutschen Landesverbände tragen dazu bei, die Tradition lebendig zu halten und zugleich neue Generationen für das karnevalistische Brauchtum zu begeistern.

Eine Besonderheit des ostdeutschen Karnevals bleibt dabei seine starke Verwurzelung im Ehrenamt: Die Programme werden nahezu ausschließlich von Amateurinnen und Amateuren gestaltet.

Hintergrund:
Beim Immateriellen Kulturerbe stehen Kulturformen im Mittelpunkt, die von praktischem Wissen und Können der Menschen getragen werden. Dies reicht von Kunst- und Handwerkstechniken über mündliche Überlieferungen bis hin zu speziellen Aufführungspraktiken von Tanz, Theater und Musik. Das immaterielle Kulturerbe repräsentiert eine lebendige Alltagskultur, die von Generation zu Generation weitergegeben wird und damit auch ein Gefühl von Zugehörigkeit und Identität vermittelt.

Weitere Informationen:
Verband Sächsischer Carneval e.V.
Sächsische Landesliste des Immateriellen Kulturerbes

Kontakt für Presseanfragen:
Jörg Weiser, Präsident VERBAND SÄCHSISCHER CARNEVAL e.V.
E-Mail: praesident@vsc-ev.de
Mobil: 0176 41289953

 

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